![]() |
| Die P2P Plattformen locken mit attraktiven Renditen, hier: Mintos (Quelle: https://www.mintos.com/de/login) |
Das klingt ja viel zu gut um wahr zu sein! Ist P2P Lending denn überhaupt sicher? Wo ist der Haken? Nur Geduld, auch das werden wir im folgenden Erfahrungsbericht betrachten.
Was zum Geier ist P2P Lending?
Wenn du dein Geld zur Bank bringst, dann werden die Scheinchen nicht in einem Sparschweinchen gebunkert und warten dort darauf, dass du sie wieder abhebst. Vielmehr schickt deine Bank das Geld auf Reisen um es weiter zu vermehren. So könnte die Bank etwa einer anderen Privatperson ein Darlehen vergeben um das Geld später mit einem satten Zinsaufschlag wieder zurückgezahlt zu bekommen. Nun ist eine Bank bekanntlich keine wohltätige Organisation. Es gibt eine große Kluft zwischen den mickrigen Zinsen, die deine Bank dir für dein geparktes Geld zahlt und den saftigen Zinsen, welche die Bank von den Kreditnehmern verlangt. Diese Differenz behält die Bank ein um nicht nur von Luft und Liebe leben zu müssen.
Beim P2P Lending entfällt die Bank als Mittelsmann und damit kommt von den Darlehenszinsen viel mehr zu dir als Investor zurück. Na gut, auch hier gibt es über den Plattformbetreiber einen Mittelsmann noch jemanden, der mitverdient. Der Plattformbetreiber ist derjenige, der die Webseite und quasi den „Marktplatz“ zur Verfügung stellt. Im übernächsten Abschnitt werden wir uns ein paar Plattformen im Detail anschauen. Verglichen mit den Banken bleibt dir hier als Investor aber weit mehr vom Kuchen übrig.
Keine Rendite ohne Risiko: worauf ich beim P2P Lending aufpassen sollte
Jetzt verstehen wir im Groben, worum es bei P2P Lending überhaupt geht. Wie sieht es nun mit den Risiken aus? Die wichtigsten hier auf einen Blick:
- Ausfall eines Darlehens: Wenn eine Privatperson einen Kredit nicht zurückzahlen kann, ist dein Geld futsch.
- Ausfall der Plattform: Der Betreiber einer P2P Plattform kann pleite gehen. Es wird dann sehr schwer, das investierte Geld wieder zurückzubekommen. Das geht bis zum Totalverlust.
- Währungsrisiko: P2P Plattformen sind international und wer in Kredite mit Fremdwährungen investiert, kann durch Schwankungen im Wechselkurs mal mehr oder mal weniger verdienen.
- Gewinne sind steuerpflichtig: auf jeden Fall eine Unannehmlichkeit und für jemanden, der sich nicht mit Steuererklärungen auseinandersetzt, definitiv eine Hemmschwelle um in P2P Lending zu investieren
Eine durchaus lange Liste, doch gibt es kein Risiko ohne eine Gegenstrategie wie man es so gering wie möglich halten kann. Kommen wir als Erstes zum Ausfall eines Darlehens. Das ist ein sehr reales Risiko, da ganz grob geschätzt 15% aller Kredite ausfallen. Das Zauberwort heißt hier „Diversifikation“, wir investieren also nicht die ganze Kohle in einen einzigen Kredit, sondern zerschnippeln den Betrag in so kleine Teilbeträgchen wie irgendwie möglich. Wir investieren also immer nur den Minimalbetrag in einen Kredit, alles darüber ist für Schmalspur-Anleger wie mich nicht interessant. Außerdem haben viele Plattformen auch eine sogenannte Rückkaufgarantie („Buyback“) eingeführt. Im Falle eines Ausfalls erstattet dir die Plattform das Geld zurück. Die Rückkaufgarantie ist sehr beliebt und für P2P Neulinge eine gute Einstiegsmöglichkeit da man dadurch weniger Fehler bei der Auswahl der Kredite machen kann. Auch die Rückkaufgarantie ist nicht zu 100% risikofrei, aber wir verlieren uns allmählich im Detail. Einen ausführlichen Artikel über die Chancen und Risiken der Rückkaufgarantie findet ihr in diesem Artikel im P2P-Blog von Lars Wrobbel.
Auch dem Risiko bei einem Plattformausfall kann man am besten durch Diversifizierung vorbeugen. Wir buttern also nicht die gesamte Knete in eine Plattform sondern verteilen sie auf mehrere vertrauenswürdige P2P Plattformen. So ein Totalausfall ist meines Wissens noch nicht vorgekommen, aber im Ernstfall tut uns so eine einzelne Plattform weniger weh wenn wir noch andere Pferdchen im Stall haben.
Das Währungsrisiko kannst du erfreulicherweise direkt eliminieren indem du nur in Kredite investierst, die in deiner Landeswährung ausgeschrieben sind. Bis du genug Erfahrung gesammelt hast um auch mit Fremdwährungen zu jonglieren. Für die meisten, die diese Zeilen lesen, wird die einheimische Währung dann wohl der Euro sein.
An der Steuerfront hat sich einiges getan. Musste man früher noch Belege für alle Mini-Zinsbeträge ausdrucken (sehr sehr viel sinnloses Papier), haben die Plattformen den Prozess weitestgehend automatisiert. Einmal pro Jahr kann man sich eine einseitige Zusammenfassung ausdrucken lassen und sie in die Steuererklärung aufnehmen.
P2P Plattformen schießen wie Pilze aus dem Boden
P2P Lending ist erfolgreich. Kein Wunder, dass da immer wieder neue Mitbewerber auf den Markt drängen. Aus dem ganzen Wirrwarr an Plattformen habe ich 3 etablierte Platzhirsche herausgesucht. Sie sind relativ groß, haben sich bereits bewährt und bieten gute Renditen.
Deutsche Plattformen wie Auxmoney sind aus meiner persönlichen Sicht nicht reizvoll, da die Renditen viel geringer sind, das Risiko aber bleibt. Alle 3 Plattformen bieten auch ein enorm nützliches AutoInvest-Tool/ Portfoliomanager. Dieses Tool investiert mein Geld automatisch nach Kriterien, die ich vorher festlege.
![]() |
| Mintos eignet sich für Anfänger |
- Mintos: Einfache Bedienung, Rückkaufgarantie und gute Renditen. Ideal für Einsteiger geeignet. Es gibt auch einen Sekundärmarkt wenn man mehr Zeit investieren möchte.
![]() |
| Twino ist in seiner Benutzerfreundlichkeit mit Mintos vergleichbar |
- Twino: Rückkaufgarantie und garantierte Fortzahlung „PG“. Ist fast das gleiche. Ebenfalls einfach zu bedienen.
![]() |
| Bondora ist etwas anspruchsvoller |
- Bondora: Keine Rückkaufgarantie, aber das erhöhte Risiko wird mit höherer Rendite belohnt. Was mich stört, ist der automatische Portfolio-Manager. Der agiert zwar weit cleverer als bei der Konkurrenz, nur leider kaum konfigurierbar. Was sich für mich ein wenig nach Kontrollverlust anfühlt.
Der grundlegende Ablauf bleibt aber bei allen Plattformen gleich:
- Ich melde mich auf der Webseite an. (5 Euro Startbonus bei Bondora über meinen Empfehlungs-Link)
- Ich erhalte Kontodaten, an die ich mein Geld schicke, das ich auf dieser Plattform investieren möchte. So eine Überweisung dauert normalerweise 1-3 Tage, dann ist das Geld auf meinem Account.
- Ich konfiguriere das AutoInvest-Tool. Wichtige Eckdaten: minimale Investitionsmenge pro Kredit, alle Kredite mit Rückkauf (falls auf dieser Plattform vorhanden).
- Zuschauen, wie das Geld sich vermehrt.
Wie lege ich los mit P2P?
Die Frage, bei welcher Plattform man sein erstes P2P Investment tätigen sollte, würde ich mit „Mintos“ beantworten. Die Benutzeroberfläche ist simpel und intuitiv und die Rückkaufgarantie verhindert Ausfälle und damit Motivationsdämpfer. Hier gibt es noch ein ausführliches Video über die Einrichtung von Mintos auf dem YouTube-Kanal Finanzfluss. 500 Euro ist ein gutes Startkapital zum Einstieg ins P2P. Sobald weiteres Kapital verfügbar ist würde ich noch als weitere Plattformen empfehlen: Twino und Bondora. Sobald etwas frisches Geld hereinweht werde ich es noch bei Swaper und ViaInvest (Achtung: Steueridentifikationsnachweis benötigt) probieren. Das wäre es dann für mich mit den P2P Plattformen aus dem Baltikum.
Wer aber von Anfang an das Plattformrisiko minimieren will, kann auch eine ausgefuchstere Strategie zur Verteilung von 500 Euro über mehrere P2P Plattformen verfolgen, hier von der Lending School beschrieben.
Weiteres Kapital wird dann immer so investiert, dass die Gewichtung zwischen den Plattformen gleich bleibt.
Abschließende Bewertung:
Simple Bedienung, geringer Zeitaufwand und hohe Renditen. P2P Lending erfreut sich wachsender Beliebtheit und das ist nicht weiter verwunderlich. Bei aller Euphorie sollte man aber im Hinterkopf behalten, dass P2P Lending trotz allen Garantien eine riskante Anlageklasse ist. Deshalb sollte man die Strategien zur Risikominimierung konsequent einhalten und nicht sein gesamtes Barvermögen reinstecken, 10 bis 15% davon wären vernünftiger.
Weitere interessante Links:
- Tabellarische Übersicht der erprobten Möglichkeiten, um im Internet Geld zu verdienen
- Der P2P Blog von Lars Wrobbel, hier findest du Reviews von allen großen P2P Plattformen und wie du den AutoInvest konfigurieren kannst. Leider etwas unübersichtlich, die ganzen Artikel herauszufiltern
- Auf diesem Blog geht es für Fortgeschrittene weiter, P2P in Fremdwährungen, der Sekundärmarkt und programmierbare Bots werden diskutiert




Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen